Warum reißt das Kreuzband gerade jetzt?

Traum und Albtraum können im Sport nahe beieinanderliegen. Eine falsche Bewegung und statt aufs Siegerpodest geht es auf den Operationstisch.

Wie rasch das geschehen kann, weiß Christophe Lambert, Assistenzarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie im Krankenhaus Merheim ganz genau. Er nahm als Judoka unter anderem an den Olympischen Spielen 2012 in London teil. Lambert zog sich während  seiner Karriere zahlreiche Verletzungen zu. Sechsmal wurde er operiert. Vor knapp einem Jahr hörte er mit dem Leistungssport auf. Doch Sportverletzungen beschäftigen den 31-jährigen Arzt mehr denn je.

Online-Umfrage

Christophe Lambert ist Leiter und Initiator einer gerade von den Klinken Köln und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gestarteten Studie, die auch vom Olympiastützpunkt Rheinland unterstützt wird. In Merheim begleitet Sven Shafizadeh, Oberarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, das Projekt. In einer Online-Umfrage möchten die Initiatoren herausfinden, welche Faktoren ein besonderes Risiko bei Sportverletzungen darstellen beziehungsweise welche sie verursachen. Im Fokus der Studie stehen die olympischen Sommersportarten. Es geht darum, Verletzungsmuster für die einzelnen Sportarten zu erfassen. Daraus soll eine zielgerichtete Prävention erwachsen, um so Verletzungen möglichst zu vermeiden. „Für die Art der Verletzung ist es egal, in welcher Sportart sie auftritt. Ein Kreuzbandriss ist ein Kreuzbandriss. Interessant ist die Frage, wie es dazu kommt“, sagt Oberarzt Sven Shafizadeh.

Hohe Fallzahlen

Die Trainerakademie Köln erarbeitet nach Abschluss der Studie mit Hilfe der herausgefunden Risikofaktoren sportartenspezifische Präventionsprogramme. Diese sollen in die Trainingsarbeit einfließen. Christophe Lambert und Sven Shafizadeh betonen, dass die Studie keineswegs nur für Leistungssportler relevant ist. „Jeder, der sich sportlich betätigt, soll von den Ergebnissen profitieren. Auch Breiten- und Freizeitsportler.“ Die Studie soll auf möglichst breite Füße gestellt werden. Es ist wichtig, viele Daten zu erhalten. „Wir brauchen hohe Fallzahlen für jede Sportart“, sagt Christophe Lambert. Die Merheimer Klinikärzte hoffen auf bis zu 300 000 Teilnehmer. Mitmachen kann jeder ab 14 Jahren. Noch gut fünf Monate werden die Daten für die Studie gesammelt, der Fragebogen ist online in zehn Minuten ausgefüllt.

www.sporttrauma.org