Hilfe von ROSA

Foto: Dr. Mohammad  Maarouf mit ROSA

Die neue Assistentin von Dr. Mohammad Maarouf ist 250 Kilogramm schwer. Sie hört auf den Namen „ROSA“. Das steht für „Robotic Surgery Assistant“. Seit etwa einem halben Jahr wird ROSA bei Operationen in der Abteilung für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie im Krankenhaus Merheim eingesetzt.

Tiefe Hirnstimulation

Dr. Mohammad Maarouf, Leiter der Abteilung im Zentrum für Neurochirurgie im Krankenhaus Merheim, setzt das ROSA-System im Bereich der sogenannten tiefen Hirnstimulation beispielsweise bei Parkinson-Erkrankungen sowie zur Diagnostik und Therapie von Hirntumoren ein. Bisher wurden in Merheim über 40 Patienten mit diesem Roboter-unterstützten Verfahren operiert.

Wieder normal leben

Morbus Parkinson ist bislang nicht heilbar. „Aber die den Patienten teils stark belastenden Symptome wie die zitternden Hände, die Steifigkeit oder die stark eingeschränkte Beweglichkeit können durch die neue, hochpräzise OP-Technik deutlich verringert werden. So wird dem Kranken wieder ein weitgehend normales Leben ermöglicht“, sagt Privatdozent Mohammad Maarouf, „sie können ihren Alltag wieder bewältigen und sogar wieder Auto fahren.“

Details zu ROSA

Was ist ROSA? Hinter dem ROSA-System verbirgt sich ein Präzisionswerkzeug in der Hand des Chirurgen, um ihn bei der Arbeit zu unterstützen. Das ROSA-System stammt vom französischen Medizintechnik-Hersteller „MedTech“. 50 Systeme sind weltweit im Einsatz, drei davon in Deutschland. Außer in Merheim wird die Technologie im Universitätsklinikum Frankfurt und in der „Schön Klinik“ Vogtareuth (das liegt im Chiemgau) eingesetzt.  Etwa 200 000 Euro hat ROSA nach Auskunft von Professor Dr. Horst Kierdorf, klinischer Direktor der Kliniken Köln, gekostet.

Wie sieht ROSA aus? Gar nicht mal so wuchtig, wie es das Gewicht von 250 Kilogramm vermuten lässt. Es ist ein kompakter Roboterarm, der als mobile Einheit in den Operationssaal gefahren werden kann.

Wie arbeitet ROSA? Vor allem sehr präzise. Von den zuvor per Computer berechneten Daten, wo die Bohrinstrumente, Führungsdrähte, Schrauben, Elektroden oder Hohlnadeln positioniert werden müssen, weicht die Roboter-Assistentin weniger als einen Millimeter ab. Ihr menschlicher Chef bleibt  selbst bei ruhigster Hand über dieser Marke. Mit ROSA an seiner Seite kann der Operateur an der vordefinierten Stelle noch exakter als bisher eine Hirnelektrode oder eine Biopsie-Sonde einführen, ohne Blutgefäße zu verletzen. Bei der Behandlung beispielsweise von Parkinson-Patienten werden Hirn-Elektroden zur tiefen Hirnstimulation eingesetzt. Umgangssprachlich wird dafür häufig der Begriff „Hirnschrittmacher“ verwandt.

Wo kann ROSA eingesetzt werden? Außer bei der tiefen Hirnstimulation beispielsweise für die Bestrahlung bei Hirntumoren von innen mittels eines Katheters. Mit der Unterstützung von ROSA können Gewebeproben entnommen werden sowie Tumore oder Metastasen im Gehirn direkt operiert werden. Zum Einsatz kommt die Roboter-unterstützte Operationtechnik zudem bei Zwangserkrankungen oder dem Tourette-Syndrom, bei dem bestimmte Tics dem Patienten das normale Leben fast unmöglich machen. Weitere Einsatzgebiete der tiefen Hirnstimulation sind laut Dr. Maarouf psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen, Aggressionen oder schwerer Alkoholismus.

Vorteile für den Patienten? Robotische Systeme ermöglichen Operationen in Bereichen, die für das Skalpell unerreichbar sind. Die Schnitte werden kleiner, die Operationszeit verringert sich, die Eingriffe werden präziser. Ein Punkt ist den Verantwortlichen der Kliniken Köln ganz wichtig: Moderne robotische Assistenzsysteme wie ROSA unterstützen die Chirurgen, ersetzen können sie sie nicht.

Weitere Infos:

Die tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgischer Eingriff in das Gehirn. Er wird bei bestimmten neurologischen Erkrankungen eingesetzt. So zum Beispiel bei Parkinsonerkrankungen.

Stereotaxie ist eine minimal invasive Operationsmethode, mit der es dem Neurochirurgen möglich ist, jeden beliebigen Punkt im Gehirn präzise zu erreichen. Dies ist mit Hilfe eines Zielgerätes und mit bildgesteuerter, computerassistierter Berechnung möglich.

Das Krankenhaus Merheim gehört gemeinsam mit dem Krankenhaus Holweide und dem Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße zum Verbund Kliniken Köln. Insgesamt sind in den drei Häusern mehr als 700 Ärzte und über 2200 Pflegekräfte beschäftigt. Dazu kommen gut 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung und den Wirtschaftsdiensten. Pro Jahr werden etwa 63 000 Patienten stationär betreut, dazu kommen 130 000 Patienten, die ambulant versorgt werden. Das Krankenhaus Merheim ist das größte Haus des Verbundes. Es verfügt über einen Hubschrauber-Landesplatz auf dem Dach.

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