Samstag, 17. November 2018


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Künstlerstipendien in Istanbul müssen jetzt ausgeschrieben werden

Seit 2009 gibt es die Künstlerstipendien für das „Atelier Galata“ in Istanbul. Das Atelier wird gemeinsam von der Stadt Köln, der Kunststiftung NRW und der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig getragen. Die Stipendiaten leben und arbeiten für mehrere Monate in Istanbul. Sie können während dieser Zeit das Wohnatelier kostenlos nutzen, bekommen monatlich 1000 Euro sowie 600 Euro Reisekosten. Jedes Jahr im Sommer schreibt unter anderem das Kulturamt der Stadt die Stipendien für die Bereiche Literatur und Bildende Kunst/Medienkunst aus. So auch in diesen Tagen. Noch bevor sich die erste Künstlerin oder der erste Künstler beworben hat, gab es Gezeter. Der Tenor: „Ein Künstlerstipendium in Istanbul? Bei der aktuellen Entwicklung der politischen und gesellschaftlichen Situation in der Türkei? Wie kann man nur.  Wie unsensibel. Die Ausschreibung zum jetzigen Zeitpunkt ist ohne Sinn und Verstand.“ Stimmt, diese Äußerungen sind ohne Sinn und Verstand. Rein formal gibt es Vereinbarungen, die die Stadt Köln einhalten muss. Nur weil so etwas anderswo über Nacht außer Kraft gesetzt wird, müssen wir das nicht kopieren. Wer sich jetzt über eine solche Ausschreibung aufregt, möge sogleich sagen, was generell mit der Städtepartnerschaft zwischen Köln und Istanbul geschieht. Und was für eine Anmaßung, Künstlern, die finanziell womöglich nicht auf Rosen gebettet sind, eine solche Chance zu zerreden. Das sollen die Bewerber doch bitte ganz allein entscheiden können, ob ihnen die Situation in Istanbul zu unsicher ist. Es ist exakt so, wie es Stadtsprecherin Inge Schürmann gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger formuliert hat: „Für eine Absage ist es zu früh. Wir wollen diese Option offen halten.“ Die Stadt werde die politische Lage in der Türkei beobachten. Ja, was sonst? Die Aufenthalte werden von März bis Juli beziehungsweise von August bis Dezember 2017 sein. Aber bewerben müssen sich die Künstler jetzt. Ob sie dann im kommenden Jahr tatsächlich in die Türkei reisen oder ob das Projekt verschoben beziehungsweise an einen anderen Ort verlegt werden kann, wird sich zeigen. Übrigens: Das Auswärtige Amt rät Türkeibesuchern zu „äußerster Vorsicht“, eine konkrete Reisewarnung gibt es – Stand heute – nicht.

von Monika Salchert | 22. July 2016