WDR-Kunst versteigert

Impressionist & Modern Art

1,069 Millionen Euro für „Möwen im Sturm“ von Max Beckmann. Für das Gemälde "Alpweg" von Ernst Ludwig Kirchner wurden 1,1 Millionen Euro erzielt. Mit Spannung war die Auktion „Impressionist & Modern Art“ im Londoner Auktionshaus Sotheby’s erwartet worden. Zur Versteigerung kamen gestern Abend unter anderem zwei Kunstwerke aus dem Besitz des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Das Highlight der Auktion war die Versteigerung des Gemäldes "Femme assise" von Pablo Picasso. 56 370 829 Euro zahlte ein Sammler dafür. Das ist laut Sotheby's ein Autionsrekordpreis für ein kubistisches Werk.

Bieter im Saal

An diese Summe kamen die WDR-Kunstwerke nicht heran. Um 21.04 rief Auktionatorin Helena Newman im voll besetzten Londoner Auktionssaal für das Werk „Möwen im Sturm“ von Max Beckmann auf. Den Zuschlag erhielt ein Bieter im Saal für exakt 1 069 598 Euro.

Gebot am Telefon

Das Werk „Alpweg (Bergweg) von Ernst Ludwig Kirchner erzielte 1 100 866 Euro. Diesmal platzierte ein Bieter am Telefon das höchste Gebot.

Sotheby’s in Köln

Heute werden bei Sotheby’s in London weitere 33 Werke aus der Kunstsammlung des WDR versteigert. Die restlichen 11 Arbeiten aus der Sammlung werden in den kommenden Wochen bei Sotheby’s in London und Paris angeboten. Vertreten sind renommierte deutsche Künstler wie Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein sowie Karl Hofer, Anton Räderscheidt und Horst Antes. Außerdem Arbeiten von Erich Heckel, Christian Rohlfs, Georg Meistermann und Ernst Wilhelm NayEin Teil der Werke waren unlängst in der Kölner Sotheby’s Niederlassung ausgestellt.

Im Exil gemalt

Max Beckmann schuf das Ölgemälde „Möwen im Sturm“ im Jahr 1942. Der Kölner Sammler Dr. Hans Melcher kaufte das Werk direkt von Beckmann. Seit 60 Jahren gehörte es dem WDR. „Möwen im Sturm“ entstand als Beckmann im besetzten Holland lebte. Es spiegelt die Stimmung und die Befindlichkeit des Künstlers während der Kriegsjahre wieder und enthält Anspielungen auf die politischen Verhältnisse der Zeit.

Erholung in der Schweiz

Das Ölgemälde „Alpweg“ (Bergweg) malte Ernst Ludwig Kirchner 1921. Es ist in den Verzeichnungen auch unter „Berglandschaft mit Almhütten“ zu finden. Das Werk ist ein eindrucksvolles Beispiel für Ernst Ludwig Kirchners Berglandschaftsmotiv. Die Berge wurden für Kirchner zu einem Symbol der körperlichen und mentalen Regeneration. Die fand der Maler  im Schweizerischen Graubünden, wo das Gemälde entstand. Vorher lebte Kirchner in Dresden und Berlin erfuhr.

Defizit verringern

Der WDR besitzt nach eigenen Angaben insgesamt rund 600 Kunstwerke, darunter Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Drucke, die zum größten Teil zwischen 1956 und 1965 gekauft wurden. WDR-Intendant Tom Buhrow beziffert den Wert der hauseigenen Kunstsammlung auf rund drei Millionen Euro. Mit dem Geld aus dem Kunst-Verkauf  möchte der öffentlich-rechtliche Sender sein Haushaltdefizit verringern. Das soll bei rund 100 Millionen Euro liegen. Die Landesregierung NRW und der WDR-Rundfunkrat haben dem Verkauf der Kunstwerke durch Sotheby’s in London und Paris zugestimmt.