„Ävver Kölle hät de Dom“

Wanderer, kommt ihr nach Köln, vergesst das Handgepäck nicht. Egal wie voll die Reisetasche ist, das neue Buch des Kabarettisten Robert Griess muss noch mit. Es verhilft Köln-Besuchern und In-Köln-Lebenden zu einem tieferen Verständnis der Stadt, in der die Eingeborenen eine Weltstadt sehen, alle anderen aber nicht.

Dennoch: Köln muss man lieb haben. Liebe kann viele Gesichter und Ausdrucksformen haben. Robert Griess versucht seine Zuneigung zu Köln als satirische Abrechnung zu tarnen. Er schreibt über das Provinzielle, das Chaos, den Klüngel, die mitunter toxische Wirkung des Kölsch und den ständigen Kampf zwischen Genie und Wahnsinn in der Stadt. Am Kölner scheint jedwede Kritik von außen abzuprallen. Wer braucht griffige Argumente, wenn es ein einziger Satz tut: „Ävver Kölle hät de Dom“.

Nie verletzend

Robert Griess ist nicht nur ein grandioser Kabarettist auf der Bühne, er ist auch ein toller Autor. Er hat das Glück, mit Jochen Manz einen großartigen Fotografen an seiner Seite zu haben. Dessen Fotos im Buch sind Milieustudien und ergänzen den Text trefflich. Griess schreibt herrlich bissig, aber nie verletzend. Er überspitzt manches, überspannt aber nie den Bogen. Das macht das Buch auch für Kölner zu einem vergnüglichen Lesestoff. Für alle anderen sowieso.

Lesung am 3. November

„Satirisches Handgepäck“ ist eine Punktlandung im Kosmos der Kölschen. Wer sich davon überzeugen möchte: Der Autor liest  am Donnerstag, 3. November, 19 Uhr, im „Anderen Buchladen“, Weyertal 32, aus seinem Buch.

Robert Griess, „Köln - Satirisches Handgepäck“, Michael-Müller-Verlag, 176 Seiten, 12,90 Euro.