Preis für "Kopfkissenbuch"

Buchcover

Preisverleihung am Montag, 7. November, im Japanischen Kulturinstitut in Köln. Für die Neu-Übersetzung des „Kopfkissenbuches“ von Sei Shonagon erhält Dr. Michael Stein den Übersetzerpreis des japanischen Kulturinstituts. Damit wird das beste aus dem Japanischen in die deutsche Sprache übersetzte Buch der vergangenen drei Jahre ausgezeichnet.

In diesem Jahr fiel die Wahl auf das bei Manesse erschienene „Kopfkissenbuch“. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Im Oktober 2015 erschien bei Manesse die Neuausgabe einer erstmals vollständigen Fassung von Sei Shonagons Werk, einem der frühesten und immer noch bedeutendsten literarischen Werke der japanischen Literatur. Das wunderbar gestaltete Buch mit edlem Einband ist eine poetische Zeitreise an den japanischen Kaiserhof des Jahres 1000. Ein Bündel edlen Papiers diente Sei Shonagon damals als Notizbuch. Ihm vertraute sie an, was ihr durch den Kopf ging, darunter Vertrauliches und Delikates aus den Privatgemächern des Kaiserpalasts. Ihre „Telegramme“ aus einer sagenhaften Hochkultur gewähren tiefe Einblicke in das Japan der Heian-Zeit wie auch ins Seelenleben der Verfasserin selbst. Ihr radikal subjektives Bekenntnisbuch, erstmals vollständig ins Deutsche übersetzt und dabei von aller falschen Süßlichkeit befreit, bezaubert durch seinen klaren, ungekünstelten Ton.

Unerreicht gut

Freizügig stellt hier eine kluge, selbstbewusste Frau Weltbewegendes neben scheinbar Banales, spricht über Mode oder Galanterie und entlarvt mit spitzer Feder das Intrigenspiel bei Hofe. Mit ihren lebendigen, ungezwungenen Improvisationen voller Witz und Scharfsinn schuf sie die literarische Gattung „Zuihitsu“, und zeichnete ,dem Pinsel folgend’ all das auf, was ihr im Augenblick bemerkenswert erschien. In Japan ahmten Dichter, Schriftsteller und Priester sie nach, ohne jedoch jemals wieder die Ursprünglichkeit und Feinheit ihres Vorbildes zu erreichen.

Ausgezeichneter Übersetzer

Michael Stein (geb. 1948) studierte Japanologie mit Schwerpunkt klassische Literatur in Frankfurt/Main sowie europäische Theaterwissenschaft in Frankfurt/Main und Genua und promovierte über die Heian-Zeit (794–1185), jene Epoche also, in der das „Kopfkissenbuch“ entstand. Seit 1980 ist er Universitätsdozent an der Musikfakultät der Nationalen Hochschule der Künste Tokyo. Mit seiner Monographie „Japans Kurtisanen“ von 1997 verfasste er eine umfangreiche Kultur- und Sittengeschichte fernöstlicher Erotik und Unterhaltungskunst. Bei Manesse erschien 2008 seine hochgelobte Übersetzung von Japans erster moderner Klassikerin Higuchi Ichiyo „Mond überm Dachfirst“. Seine Neuübersetzung von Sei Shōnagons „Kopfkissenbuch“ beruht auf jahrzehntelanger Beschäftigung mit diesem Hauptwerk der japanischen Literatur und dessen historischem Hintergrund.

Verblüffend aktuell

Das Werk von Sei Shonagon ist stellenweise verblüffend aktuell. Ein Beispiel: „Auch wenn zwei Personen genau das Gleiche sagen, kann es je nach Sprecher völlig unterschiedlich klingen: in der Sprache von Priestern, in der Ausdrucksweise von Männern oder in derjenigen von Frauen. Wenn Ungebildete sprechen, machen sie garantiert zu viele Worte.“

Preisverleihung ist öffentlich

Die Preisverleihung am Montag, 7. November, beginnt um 19 Uhr im Japanischen Kulturinstitut, Universitätsstraße 98, 50674 Köln. Die Veranstaltung ist öffentlich. Das „Kopfkissenbuch“ von Sei Shonagon hat 384 Seiten, ist bei Manesse erschienen und kostet 59,95 Euro.