Kriminalroman: Der Bulle von Garmisch

Foto Martin Schüller

Wichtige Nachricht des Kölner Schriftstellers Martin Schüller: „Der Himmel über Garmisch war noch nicht das Ende." Gerade ist der fünfte Band der Garmisch-Reihe erschienen. Titel: „Der Bulle von Garmisch“.

Den Kriminalroman dürften insbesondere die Leser des vierten Bandes herbeigesehnt haben. Dessen Ende zeigte keinen blauen  „Himmel“, sondern einen düsteren. Es gab kein Happy-End. Die Figur mit den dreckigsten Händen war davongekommen. Dass es sich dabei um einen Polizisten handelte, machte die Sache nicht besser. Im Gegenteil. Damit hätte Martin Schüller im Prinzip kein Problem gehabt. Heile Welt, leichte Kost, strikte Trennung von Gut und Böse kommen auf der Zutatenliste des Schriftstellers nicht vor.

Gute Bekannte

Aber Schüller hatte selbst das Gefühl, dass er das nicht so stehenlassen konnte. „Der Bulle von Garmisch“ greift etliche lose Enden wieder auf. Im Mittelpunkt der Handlung stehen gute Bekannte: Ex-Kommissar Balthasar Schwemmer, Privatdetektiv Jo Kant, Kommissar Werner Schafmann und natürlich Carsten Grellmayer. Dessen Charakter beschreibt ein Satz auf Seite 2: „Der Mann ist eine Sau“. Im weiteren Verlauf des Buches wird rasch klar: Damit tut man dem Tier bitteres Unrecht.

Starke Figuren

In dem Kriminalroman „Der Bulle von Garmisch“ geht es um einen Ex-Kommissar auf Abwegen, eine Brandstiftung in einem Flüchtlingsheim, einen von Polizisten vertuschten Mord. Und um menschliche Katastrophen, ausgelöst durch das bedrückende Totalversagen staatlicher Organe. „Der Bulle von Garmisch“ ist ein überaus gelungener Krimi mit logisch aufgebauten Handlungen und stark gezeichneten Figuren. Dichte, schnelle Dialoge sorgen für eine authentische Erzähl- und Lese-Atmosphäre und mit Leben erfüllte Szenen. Martin Schüller schafft Charaktere, die atmen, nach Luft schnappen, fast ersticken, taumeln, aufstehen, versagen, zweifeln, gewinnen und verlieren.

Versteht sein Handwerk

Dies alles überrascht bei Martin Schüller nicht. Er versteht sein Handwerk. Dennoch stellte sein jüngstes Werk den erfahrenen Schreiber vor eine besondere Herausforderung. „Die vier Garmisch-Bände davor waren abgeschlossene Geschichten. Diesmal musste ich auf Dinge zurückgreifen, die in eben diesen Geschichten schon eine Rolle gespielt haben.“

Legal geht nicht

Schwierig. Wer bei „Der Bulle von Garmisch“ in die Reihe einsteigt, muss den Roman problemlos lesen können. Wer schon seit dem „Tod in Garmisch“  dabei ist, darf sich nicht langweilen. Beide Hürden hat Schüller brillant genommen. Aber der 56-Jährige bekennt: „Das war mein bisher anstrengendstes Buch.“ Dies hat er sich natürlich selbst zuzuschreiben. Hat er doch mit dem ebenso korrupten wie skrupellosen Kommissar Grellmayer einen äußerst stabilen Bösewicht geschaffen. „Da ist man als Autor total gefordert. Irgendwann wird klar: Dem Mann ist legal nicht beizukommen.“

Drecksack

In „Himmel über Garmisch“ konnte der Drecksack seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Ob es ihm im neuen Roman wieder gelingt, andere ans Messer zu liefern und selber grinsend von dannen zieht, sagt uns Martin Schüller in „Der Bulle von Garmisch“.