Glückwunsch, Harold Faltermeyer!

Foto Faltermeyer

Zum Geburtstag erst mal eine vernünftige Brotzeit. Mit Brezen und Weißwürsten. Lecker, aber der Hausherr ist nicht ganz zufrieden. „Die sind etwas zu fett.“ Fast entschuldigend fügt er hinzu, dass er die Würste gekauft hat. Zum Selbermachen sei keine Zeit gewesen.

Was zunächst ein wenig merkwürdig klingt, wird beim Gespräch auf dem Anwesen in Baldham bei München von Minute zu Minute klarer. Hier lebt der Komponist und Produzent Harold Faltermeyer. Meistens jedenfalls. Wenn er nicht in Hollywood ist. So wie in den zurückliegenden vier Monaten. Dort hat er letzte Hand an sein jüngstes Musikwerk „Oktoberfest – The Musical“ gelegt. Die Uraufführung fand in einem alten Kino in Los Angeles statt.

Autobiographie

Kalifornien war gestern, jetzt serviert Faltermeyer, der heute am 5. Oktober 64 Jahre alt wird, daheim bayerische Schmankerl und seine Autobiographie. Sie trägt den Titel „Grüß Gott, Hollywood“. Es ist die wunderbare Geschichte von einem, der auszog, um die Musikwelt in Amerika in Staunen zu versetzen. Erstaunlich auch, was er zu seinem ersten Buch sagt. „Es war viel anstrengender das Buch zu Papier zu bringen, als Musik zu schreiben“, sagt der Mann, der für Künstler wie Donna Summer, Udo Jürgens und die Pet Shop Boys komponiert und produziert hat. Der Hits wie „Hot Stuff“, „The Heat Is On“ oder „Shakedown“ schrieb. 

Weltkarriere in Hollywood

Harold Faltermeyer spricht Bayerisch mit eingewebten englischen Begriffen. Das Manuskript zum Buch hat er komplett in Englisch geschrieben. „Das ist die Sprache, in der ich mich ausdrücken kann.“ Beim Lesen der deutschen Ausgabe verschaffen sich mit einem Schlag die 80er Gehör. Das Buch wirkt wie ein Kapitel aus einem Musiklexikon zu dieser Zeit. „Golden Age“ nennt es  Harold Faltermeyer. Es war die Zeit, als der junge Deutsche mit dem absoluten Gehör an der Seite des nicht minder genialen Giorgio Moroder Weltruhm erlangte. Er schuf mit „Axel F.“ die Titelmelodie von „Beverly Hills Cop“ mit Eddie Murphy in der Hauptrolle und wurde damit zum Wegbereiter des Synthesizer-Zeitalters. Für den Soundtrack gab es 1985 einen Grammy, für die Musik von „Top Gun“ mit Tom Cruise wenig später den zweiten.

Zwei Welten

In „Grüß Gott, Hollywood“ nimmt Faltermeyer die Leser mit in seine zwei Welten. Er erzählt anschaulich und humorvoll, nie langweilig oder voyeuristisch. Gleichwohl spart er mit Anekdoten aus dem Musik- und Showgeschäft nicht. So schildert er Donna Summer als begnadete Künstlerin und manchmal anstrengende Diva. Es konnte sein, dass sie den halben Tag im Studio vertrödelte, ohne einen Ton zu singen, dann endlich loslegte, um den Song zweimal zu singen und zu verschwinden.

Leben im "Faltydorf"

Mindestens so beeindruckend wie die Geschichten von Axel F. aus Hollywood ist das Leben des Harold F. in Baldham. Das etwa 6,5 Hektar große Anwesen mit mehreren Wohnhäusern,  angrenzendem Wald, Pferdekoppel und Tennisplatz ist seit mehreren Generationen in Familienbesitz. Hinter dem  schmiedeeisernen Tor gleitet der Besucher ins „Faltydorf“ hinein und lernt das andere, das bodenständige Leben des Komponisten kennen. Dessen Beschreibung würde fast ein eigenständiges Buch füllen. Nur so viel: Harold Faltermeyer ist Jäger, Bergsteiger und Maler. Zum „Faltydorf“ gehören eine Schmiede, Schreinerei, Braustube und Metzgerei. Er braut sein eigenes Bier und zerlegt und verarbeitet das selbst erlegte Wild in der eigenen Wurstküche. Stichwort: selbstgemacht. Ist Harold Faltermeyer eigentlich ein Künstlername? Ja und nein. Harold ist sein Taufname, später hat er nur das I in Faltermeier durch Y ersetzt. Liest sich angeblich in Amerika besser.

Buch und Album

„Grüß Gott, Hollywood“ ist bei Lübbe in Köln erschienen; 272 Seiten, 24 Euro. Zeitgleich mit dem Buch ist das Album „Best of Harold Faltermeyer“ herausgekommen.