Fotograf und Künstler

Foto Joachim Rieger

Nette Fotos kann doch heutzutage wirklich jeder machen. Aber Fotografen sind Menschen wie Joachim Rieger. Smartphone raus, Foto-App auf, draufgetippt, fertig. Wenn es nix geworden ist, wird das Foto gelöscht oder bei Facebook hochgeladen. Das ist praktisch, hat aber mit Fotografie in etwa so viel zu tun wie der Neurönnebecker TV aus der Fußball-Kreisliga B in Bremen mit der Champions-League.

Um seine Arbeit verstehen zu können, muss man zunächst Joachim Rieger selbst in den Focus rücken. Der Kölner ist ein sympathischer, freundlicher und zurückhaltender Mensch. Dahinter steckt mehr als die bloße Beschreibung eines angenehmen Zeitgenossen. Es ist ein wichtiger Faktor, um die Fotos genau so machen zu können, wie sie dem 54-Jährigen am Herzen liegen. Seine Fotos sind Menschenbilder. Im Vordergrund steht der Mensch, er ist Dreh- und Angelpunkt seiner Arbeit. „Das Foto muss zum Menschen hin, ganz nah an ihn heran. Es geht nicht nur um das Motiv, ich möchte mit jedem Foto eine kleine, individuelle Geschichte erzählen. Fotografie ist Empathie und Emotion. Ich möchte Gefühle und Stimmungen einfangen und transportieren“, sagt der Fotograf.

Keine Fotos von der Stange

Wenn er ganz nah an die Menschen geht, geschieht etwas Verblüffendes. Rieger ist von deutlich wahrnehmbarer Statur, doch in dem Moment, in dem er sich ganz den Menschen und ihren Geschichten widmet, verschwindet er. Er ist natürlich noch da, aber er dominiert die Szenerie nicht. Joachim Rieger steht für Fotografien, die den Tag und das Ereignis überdauern. Seine Arbeit beginnt lange vor dem Auslösen der Kamera. „Ich möchte jedes Motiv glaubhaft und authentisch in Szene setzen. Das erfordert unter anderem ein Gefühl für den richtigen Moment.“ Eine Arbeitsplatzbeschreibung der Marke: - „Guten Tag, wo ist das Brautpaar? Bitte mal vor den Kamin stellen. Jetzt noch auf die Terrasse, die Eltern und Trauzeugen dazu. Sehr schön. Ich melde mich. Danke, Wiedersehen.“ – ist für Joachim Rieger undenkbar. Fließbandarbeit und Fotos von der Stange hat er nicht im Angebot. Er bezeichnet sich selbst als Ideenlieferant. „Die wichtigsten Sinnesorgane des Fotografen sind die Ohren. Um verstehen und fühlen zu können, was ein Kunde möchte, was ihm wichtig ist, muss ich genau zuhören und auch die Zwischentöne auffangen. Dann mache ich Vorschläge und überlege gemeinsam mit meinem Auftraggeber, wie das Projekt umgesetzt werden kann. So entsteht eine kreative, innovative und lebendige Bildsprache.“

Seit 2003 als Fotograf selbstständig

Die Dinge reifen lassen, ausgetretene Pfade meiden, sich auf neue Dinge einlassen - das trifft auch auf den beruflichen Werdegang von Joachim Rieger zu. Geboren wurde er in Höhenhaus und dort wohnt er nach gefühlten 25 Umzügen jetzt auch wieder. Gemeinsam mit seiner Frau Stephanie. Sie ist nicht nur Lebenspartnerin, sondern unterstützt ihren Mann auch bei der Arbeit. „Sie hat den gleichen Blick auf Dinge und Situationen wie ich. Das hilft enorm“, sagt Joachim Rieger. Er machte zunächst eine Ausbildung zum Fotolaboranten, war Laborleiter und freier Fotograf in Fotofachlaboren und Fotostudios, dann einige Jahre Hausmann. Parallel bildete sich der Vater von zwei Töchtern während dieser Zeit im Bereich Fotografie weiter und gab Foto- und Videokurse in der VHS. Bevor er sich als Fotograf 2003 selbstständig machte, schlug er noch ein paar artverwandte Wege ein. Zehn Jahre (bis 1999) war Rieger Chef des Fotofachlabors „taimlab“, danach Inhaber der Agentur für Marketing und Kommunikation „kommART“ (bis 2003).

Dokumentation des Rosenmontagszuges

Wer der Philosophie von Rieger näher kommen möchte, muss seine Fotos betrachten, sich seinen Ausstellungen widmen oder sich in seine Bücher vertiefen. Ganz aktuell ist im „fotoforum-Verlag“ das Buch „Rhein auf, Rhein ab“ erschienen. Der Fotograf ist dem Fluss von der Quelle bis zur Mündung gefolgt. Dazu gibt es auch eine Ausstellung. Der kommende Kölner Rosenmontagszug wird der siebte sein, den Joachim Rieger durchfotografiert. Die dokumentarischen Fotos der ersten Serie kommentierte Christoph Kuckelkorn, Leiter des Rosenmontagszuges, mit dem Satz: „Du hast uns einen Schatz geliefert.“ Einige Motive aus dieser Dokumentation stellt das Festkomitee Kölner Karneval als Pressefotos zur Verfügung. Über diesen Weg gelangten Rieger-Fotos in internationale Medien.

"Aller guten Dinge sind Drei"

Ebenfalls im Karneval sind die Fotos zum Bildband und zur Ausstellung „Aller guten Dinge sind Drei“ entstanden. Fotograf Rieger begleitete in drei Sessionen das jeweilige Dreigestirn. Entstanden sind Eindrücke jenseits der großen Bühnen. Dem Betrachter erschließen sich Momente, bei denen Prinz, Bauer und Jungfrau den Menschen sehr nah kommen. Und mit ihnen der Mann hinter der Kamera. Oft sind es die Details, der ganz einmalige und nicht wiederkehrende Augenblick, die die Fotos so unverwechselbar machen. Wer sich eine Zeitlang „einsieht“, erkennt einen echten „Rieger“.

Lebensräume ausstatten

Zum Beispiel in dem Projekt „Zwischen Himmel und Erde“. Die Geschichten, die diese Bilder erzählen, kommen ohne Inszenierung aus. Sie leben durch den Ausschnitt und den Blick auf diesen einen Moment. Alltägliche Dinge lösen Gefühle aus. Bei jedem womöglich andere, aber unbeteiligt bleibt niemand. Im Neusser Augustinus Hospiz wird am 26. Oktober die Dauerausstellung „Zwischen Himmel und Erde“ mit Fotografien von Joachim Rieger eröffnet. Die Ausstattung von „Lebensräumen“ vom Büro bis zum Hospiz ist ein weiteres Herzensprojekt des Kölners. Joachim Rieger ist Fotograf und Künstler. Aber vor allem ist er ein Menschenfreund.

www.fotografie-joachimrieger.de