Kölsch, was sonst?

Alice Herrwegen

Geht die kölsche Sprache unter? Nicht so lange es Menschen wie Alice Herrwegen gibt. Sie arbeitet seit Herbst 1995 als Referentin an der „Akademie för uns kölsche Sproch“. Kölsch- und Köln-Botschafter ist Alice Herrwegen aber nicht nur, weil das so in ihrem Arbeitsvertrag steht.

Native Speakerin

Höchstwahrscheinlich hat Alice Herrwegen Kölsch gelernt, bevor sie des Hochdeutschen mächtig wurde. „Bei uns zu Hause wurde fast nur Kölsch gesprochen. Meine Eltern, meine Großeltern und meine Urgroßeltern däte sich op Kölsch ungerhalde.“ So wurde Alice das, was man eine „Native Speakerin“ nennt. Die rheinische Mentalität gab es zwischen Küchentisch und Sandkasten gratis dazu. Ein Beruf sollte aus diesen Talenten eigentlich nicht erwachsen.

Weg in die Schule versperrt

Die Kölnerin wollte Lehrerin für Französisch und Philosophie werden. Nach dem Zweiten Staatsexamen stand sie indes ebenso wie unzählige  gut ausgebildete Jung-Lehrer vor verschlossenen Schultüren. In den 1980er Jahren hieß es: Einstellungsstopp.

Etliche Fachbücher

Lehrerin ist Alice Herrwegen über Umwege trotzdem geworden. Als Seminarleiterin an der „Akademie för uns kölsche Sproch“. Wer mag, kann dort sogar ein Kölsch-Examen ablegen. Sie hat in den vergangenen Jahren nicht nur Sprachkurse gegeben, sondern auch etliche Bücher op Kölsch geschrieben. Dazu zählen unter anderem: „Mer liere Kölsch – ävver flöck“, „Mer liere Kölsch – ävver höösch“, „Kölsch för Imis“, „Am schönste es et, wann et schön es“ und gemeinsam mit ihrer Kollegin Christa Bhatt „das kölsche Wörterbuch“.

Eigenes Kabarettpogramm

Der Umgang mit Worten ist eine Leidenschaft von Alice Herrwegen. Sie schreibt Sketche, Prosatexte und Liedtexte. Seit 16 Jahren steht sie zudem als Kabarettistin mit eigenen Texten und Liedern auf der Bühne. Ihr aktuelles Programm heißt: „Wat ha’mer dann jetz?“. Den Weg zur Bühne hat ihr die Arbeit im Altermarktspielkreis der Volkshochschule geebnet. Dort war sie von 1979 bis 2000 Mitglied. Außerdem arbeitete Alice Herrwegen einige Jahre als Moderatorin im WDR-Hörfunk.

Stück fürs Hänneschen

Für das Hänneschen-Theater hat sie das aktuelle Abendstück „Schälock Holmes“ geschrieben. Es hat am Samstag, 27. August 2016 Premiere. Die Autorin ist dem Hänneschen-Theater seit vielen Jahren verbunden. Bereits 1989 schrieb sie das Abendstück  „Levve live“. Die Musik dazu stammte vom damaligen Musikredakteur von WDR 4, János Kereszsti. Nachzuhören sind die Lieder aus dem Stück auf der Langspielplatte „Levve Live“. Auch die Arbeit „hinger d’r Britz“ kennt die Autorin bestens. Von 1990 bis 1992 war sie  Puppenspielerin und vertrat Steffi Brands als diese im Mutterschutz war. Wie Kölsch richtig klingt, verrät Alice Herrwegen in der Aussprachehilfe „Usgesproche Kölsch“. Diese Hörbuch gibt es als Download bei iTunes.